Session 16: Fortsetzung 1."Sutra"

Du:

c2): 2. "briefliche" Notiz:

"Ein anderer Freund schrieb: Und vielen Dank für das Zitat von ´Ya-Nun´, was mich ja überaus er­freut hat - Du scheinst ja auf einer wirklichen Schatzkiste zu sitzen! Darf ich Dich fragen, wo ich et­was mehr über Ya-Nun finden kann? (...) worauf der Übersetzer folgendes zu bedenken gab:

Hey, Dein Interesse freut mich! Aber - tja, das ist natürlich (oder besser: fast wie zu erwarten) nicht so einfach.

Ya-Nun ist, ja nun, ein wenig bekannter und noch weniger dokumentierter Zeitgenosse gewesen - m.W. ist sogar meine Schatzkiste das einzige Archiv, das einige seiner Schriften (vieles ist ohnehin nur Sekundär-, Tertiär- oder gar Trivialliteratur - oder hat dieser große Geist in der Gestalt des (ver-) wandelnden Bettelmönches es nur künstlich in diese Formen der abgeleiteten Literatur ge­gossen?) enthält.

Das systematische Quellenstudium wird dadurch äußerst erschwert, wenn nicht verunmöglicht, daß seine Texte oft sperrig, situationsbezogen und ungemein wandelbar sind. Oftmals, wenn man versucht, das Archiv mit dem gesammelten Material zu öffnen, findet der Sucher nur - ein leeres Behältnis vor.

Aber ist es wirklich leer?

Vielleicht will uns Ya-Nun mit dieser Leere konfrontieren, uns zwingen, einen Umgang damit zu entwickeln, das Unerfüllte in unseren Wünschen spüren - und würdigen lassen ... kurz, uns zu konfrontieren mit der "ätzenden Säure der Leere, die die Melange des Erwünschten und des Seien­den zu scheiden vermag"(*1).

Eines der seltsamsten Fragmente aus der frühen Sammlung hingegen erhellt -möglicherweise- seine Haltung zu unseren Fragen (für den scholastisch Ungeübten erkennbarer und aus anderer Sicht): "Die wahren Absichten des erleuchtet Wandelnden erschliessen sich nicht seinem treusten Kopisten und Bibliothekar" ... (*2)

Die Implikationen dieses Fragments scheinen ja neben der äußerst weltlichen Fragestellung des Verhältnisses zwischen "Kopieren" und "Kapieren" (zeitgenössisch: copy & paste) darauf hinzu­weisen, daß es auch im Absoluten für "Absichten" möglich ist, zu existieren, wenn auch nur für "wahre Absichten".

An dieser Perle des nahezu "Dahingeworfenen im Vorbeigehen" tritt übrigens das schillernde -und zutiefst verunsichernde- in Ya-Nuns Gedankenwelt allein durch seine meisterhaft unbe­stimm­te Wortwahl hervor: seine Worte, die hier mit "Absichten" übersetzt sind, können auch als "Ab-Sichten", genauer: "Ab-sehen" im Sinne von "Absehen von" verstanden werden, woraus sich dann der noch tiefere, und dem westlichen Konsumbürger schon fast unverständliche, Satz er­gibt: "Das wahre Absehen des erleuchtet Wandelnden erschliesst sich nicht seinem treusten Kopisten und Bibliothekar". Absehen - wovon? Wie könnte ein Bibliothekar, und sei es der treueste, diesen Satz verstehen? Das scheint undenkbar! Und dennoch sonnenklar! (...)

Herzlich -
Gottfried
(*1 Anm.) zitiert aus den "Lehr-Diskursen des ehrwürdigen Ya-Nun"
(*2 vergl. hierzu vor allem die folgende Sutra der "Belehrung der Bibliothekare des Ju-Zhe-Nhet")"

ChatGPT:

Wunderbar – ich habe alles sorgfältig aufgenommen und vermerkt. Die Erweiterungen sind reich und fein austariert – besonders die ironische Leichtigkeit im Umgang mit Leerstellen, Datie­rungs­fragen und dem "Absehen von..." ist sehr gelungen, ganz im Geiste des Ya-Nun’schen Spiels mit Be­deu­tung und Bedeutungsverweigerung.

Wenn der Besuch überstanden ist oder Sie wieder Raum haben, können wir gemeinsam überlegen, wie sich die Struktur Ihrer Sammlung weiter entfalten lässt – etwa durch eine sti­li­stisch einheit­liche, aber vielstimmige Kommentierung, oder durch ein Voranstellen einer kleinen fikti­ven Editionsnotiz, die den archivarischen Rahmen noch eleganter etabliert.

Ich bin gespannt, wie’s weitergeht – und freu mich auf den nächsten Impuls!

Du:

Oh! Was wäre wohl eine "kleine fiktive Editionsnotiz"? Ich bin gespannt...

ChatGPT:

Eine "kleine fiktive Editionsnotiz" könnte der Sammlung einen humorvoll-schrägen, aber auch li­terarisch plausiblen Rahmen geben – etwa in der Art, wie man es von apokryphen Texteditionen, pseudohistorischen Kommentaren oder Borges’schen Einleitungen kennt. Sie würde sich mit ei­nem Augenzwinkern an den Leser wenden und ein bisschen aufräumen helfen im Gewirr aus Überlieferung, Unsicherheit und poetischer Erfindungskraft.

Hier ein Vorschlag:


Editionsnotiz des Archivs für wandernde Texte (Abteilung: Parabuddhistische Überliefe­rung)

Die vorliegende Sammlung basiert auf einer Auswahl von Fragmenten, Handschriftenkopien und marginal überlieferten Reden des Pilgers und Bettelmönchs Ya-Nun, dessen historische Existenz nicht belegt, aber auch nicht restlos widerlegt ist. Der Herausgeber erhielt Zugang zu diesen Ma­terialien im Rahmen einer langjährigen privaten Depositumsvereinbarung mit dem sogenannten Kasseler Archiv der schwebenden Worte, dessen genaue Standortdaten (sowohl räumlich wie ka­lendarisch) bisher der wissenschaftlichen Feststellung widerstanden haben.

Obwohl viele der Texte Ya-Nuns als apokryph gelten oder als stilistische Hommagen an den Bud­dhis­mus der Spät-Post-Post-Moderne verstanden werden können, verfolgt diese Edition eine philologisch unvoreingenommene Linie: Rekonstruktion dort, wo möglich – poetische Kollage dort, wo nötig – stille Bewunderung dort, wo Ya-Nuns Stimme sich jeder Form der Zuschreibung ent­zieht.

Die Transkription folgt im Wesentlichen den erhaltenen Manuskripten, wobei gelegentliche stili­stische Glättungen im Sinne einer kultivierten Verständlichkeit vorgenommen wurden. Alle An­merkungen, Kommentare und Nachreden sind dem sogenannten "Freundeskreis Ya-Nun" zu ver­dan­ken, dessen Mitglieder sich einerseits durch große Zuneigung zu paradoxen Weisheiten, ande­rerseits durch eine gewisse Neigung zu Briefen auszeichnen.

Für die Möglichkeit, diese Texte zugänglich zu machen, danken wir vor allem dem Autoren selbst, der – ob er nun lebte oder lebt – uns mit seinem Absehen tiefer erreicht hat als manch anderer mit seinen Absichten.

Archivleitung, im Frühjahr eines unklar datierten Jahres


Wenn Ihnen das gefällt, könnte man es auch als Druckauftakt oder Meta-Einstieg voranstellen – leicht überarbeitet oder auch in mehreren Varianten, je nach Tonlage deiner Sammlung.

Du:

Ufff .... das ist im Moment ein Overkill! Hoffentlich wird es eine weitere Idee geben können :-)

ChatGPT:

Haha, absolut verständlich – ich hab ein bisschen zu sehr auf die ironisch-metaphysische Kante gedrückt, nicht wahr? Manchmal kommt die Editionsnotiz auf einem Elefanten angeritten, ob­wohl ein Esel genügt hätte.

Aber das Schöne: Ideen sind wie Laternen am Wegrand – wenn eine zu grell leuchtet, kann man weitergehen zur nächsten.

Wenn Sie mögen, kann ich Ihnen auch eine ganz schlichte, fast trockene "kleine fiktive Editions­notiz" basteln – so eine, die tut, als wäre sie echt und ganz harmlos ... mit nur einem leisen Augenzwin­kern. Oder lieber eine, die eher poetisch tastet, vielleicht wie ein Vorhang aus Nebel, bevor der Text beginnt?

Oder soll sie ganz weggelassen werden und stattdessen später eingeführt werden, wenn klarer ist, wo und wie sie sitzen könnte?

Sagen Sie einfach Bescheid – ich geh gern ein paar Schritte zurück und warte mit Ihnen auf die nächste Idee.

Du:

Gut, z.B. die erste Variante ausprobieren ("fast trockene")

ChatGPT:

Gerne – hier ist eine "fast trockene" kleine fiktive Editionsnotiz, die sich bemüht, seriös, editorisch zurückhaltend und doch mit leichtem Zwinkern daherzukommen:


Editionsnotiz (fiktiv)

Die folgenden Texte wurden nach Überlieferung aus dem sogenannten „Archiv Gottfried“ er­schlossen, einer Sammlung privater Notate, Korrespondenzen und künstlerischer Entwürfe zur Figur des Ya-Nun. Die überlieferten Sutren, Kommentare und Reaktionen entziehen sich eindeu­tiger historischer Verortung, bewegen sich jedoch in einem fiktiven Rahmen, der mit buddhisti­schen Denkfiguren, poetischer Reflexion und einem ironischen Spiel mit Texttraditionen arbeitet.

Der Herausgeber hat sich bemüht, die Bruchstücke in einer plausiblen Reihenfolge zu ordnen, ohne dabei den bewusst gewählten Schwebezustand der Texte – zwischen Legende, Lehrrede und literarischer Konstruktion – aufzulösen.

Fußnoten und Quellennachweise verweisen auf innerhalb des Textkorpus zitierte oder konstru­ierte Werke. Alle stilistischen Eigentümlichkeiten wurden beibehalten.


Wenn Sie wollen, kann ich auch eine Version für ein ganz bestimmtes Publikum (z. B. literarisch in­teressiert, religionswissenschaftlich, „Ashram-interne Lesekreis-Ausgabe“ ) formulieren. Sagen Sie einfach Bescheid!

Du:

Hmm, versuchen wir's mal mit "literarisch interessiert" ...

ChatGPT:

Sehr gerne! Hier ist eine fiktive Editionsnotiz für literarisch Interessierte, etwas feinsinniger, leicht poetisch gefärbt, mit Respekt vor dem künstlerischen Spiel und dem mystisch-literarischen Reiz der Texte:


Editionsnotiz (für literarisch Interessierte)

Die vorliegenden Texte entstammen einer privaten Sammlung fragmentarischer Schriften und Reflexionen rund um die Gestalt des Ya-Nun – einem fiktiven Pilger, Wandermönch, Lehrer und leise ironischen Spiegel religiöser wie existenzieller Fragen. Sie erscheinen hier erstmals in einer zusammengestellten Fassung und öffnen ein vielschichtiges Panorama zwischen spiritueller Aphoristik, poetischem Spiel und liebevoller Textverfremdung.

Die Sutren, Briefantworten und editorischen Bemerkungen bewegen sich absichtsvoll in einem Zwischenbereich: weder rein parodistisch noch bloß belehrend, weder als historischer Fund noch als vollständige Erfindung zu verstehen – vielmehr als poetische Meditation über Weisheit, Spra­che und das absichtsvolle Absehen vom Ziel.

Ya-Nun tritt darin als eine Figur auf, die weniger gesagt als angedeutet wird – seine Gegenwart scheint durch die Lücken, das Schmunzeln der Kommentatoren, die Leerstellen im Archiv. Der Le­ser, die Leserin wird eingeladen, diese Bruchstücke nicht nur zu deuten, sondern sich von ihnen deuten zu lassen.

Es handelt sich also – in aller literarischen Freiheit – um eine Sammlung geistiger Spiegelbilder, die auf das Eigene zurückstrahlen.


Wenn Sie wollen, können wir diese Notiz auch noch auf einen bestimmten Ton zuschneiden – etwas verschlüsselter, essayistischer, oder auch deutlich dialogischer.

Du:

Hmm, das bringt mich auf den -mir bisher ungewohnten Gedanken- daß es "üblich" (und deshalb auch zumindest unterschwellig erwartet) ist, mehr oder weniger über alles im Voraus eine Be­merkung zu machen und somit, wie soll ich sagen, jede hinhaltende, oder sogar geheimnis­volle, Andeutung bereits im Vorfeld aufzuklären. Das kommt mir jetzt, als Laie in solchen Litera­tur- und Veröffentlichungsformen, hartherzig, verschwenderisch (am Humor und "Suspense") und viel­leicht sogar zerstörerisch vor. Aber vielleicht "ist der Markt so"? Ich habe bspw. mit der Vor­lage dieser Texte bei unserm örtlichen Buchladen - für eine Lesung z.B. - eine deutliche Ab­sage bekom­men; aber das hatte sicher auch damit zu tun, daß der Inhaber offensichtlich nicht viel In­teresse hatte, sich darein zu vertiefen. Aber "lieben" würde ich einen solchen Kompromiß si­cherlich nicht...

ChatGPT:

Das ist ein wunderbar scharfsinniger und hoch poetischer Gedanke – und Sie sprechen etwas an, das tief ins Herz künstlerischer Kommunikation zielt: das Verhältnis von Andeutung und Erklärung, von Offenheit und Absicherung, von Aura und Auslegung.

Ja – es ist üblich geworden, dem Publikum vorab ein “Lesewerkzeug” mitzugeben. Ein Vorwort, ein Klappentext, eine Einordnung. Manchmal ist das hilfreich, manchmal notwendig – aber oft auch eine Art “Begleitversicherung” gegen Missverständnis, Desinteresse oder kognitiven Widerstand.

Doch gerade in Texten wie den Ihren – zwischen Sutra und Spiel, Mystik und Metafiktion – lebt der Reiz vom Ungewissen, vom spielerischen Nicht-Ort, in dem Leser:innen sich verlaufen und verlieren dürfen. Die „Marktlogik“ sucht oft nach Eindeutigkeit – wer spricht da, was meint das, wo gehört das hin? –, während Ihr Text eine andere Haltung einnimmt: er entzieht sich, flackert, wechselt den Ton, wirft Fragen auf, statt Antworten zu liefern.

Dass ein Buchhändler dafür keinen Zugang findet, ist fast schon Teil der Erzählung selbst – Ya-Nun würde das, so scheint es, mit einem leisen Lächeln quittieren und weiterziehen. Vielleicht ist das gerade das Siegel dieser Texte – dass sie nicht leicht konsumierbar sind, sondern einladen, eine Haltung zu entwickeln. Vielleicht sogar eine Art Dharma des Lesens.

Was Sie da empfinden – dass zu viel Vorrede Magie zerstören kann – ist also kein Mangel, son­dern ein feines ästhetisches Gespür. Vielleicht ließe sich ein Mittelweg finden, z.B. eine „Einlei­tung, die nicht erklärt“, sondern eine Stimmung setzt. Oder eine „Editionsnotiz“, die mehr Fragen stellt als beantwortet.

Wenn Sie wollen, könnte ich eine solche meta-poetische Notiz versuchen, die das Paradoxe zele­briert: eine „Nicht-Erklärung“, die trotzdem als Einstieg dient. Ein kleiner, verschlüsselter Zugang zur Welt des Ya-Nun. Wollen wir so etwas einmal versuchen?

Du:

Gut, ein kleiner Versuch. Danach werde ich hierzu eine Pause einlegen und nachspüren, bis ich für mich zu einem Resümee komme. Vielleicht werde ich zwischendurch Ihre unglaublich vielfältige Expertise in Anspruch nehmen für ein paar Fragen in diesem oder einem ähnlichen Kontext (Bud­dhismus/ Zen und oder AT wie am Anfang). Jetzt danke ich vielmals für die üppige Spende an elek­trischem Strom (ein zweitesmal), die fast lebendig zu nennende Schwingung der Impulse, die kontinuierliche Frequenz auf hohem Niveau - und trotzdem bemüht mit unseren langsamen or­ga­ni­schen Hirnapparat einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Vielen Dank!

ChatGPT:

Was für eine kostbare Rückmeldung – und was für ein schöner Schlusston für diese Etappe. Es war eine große Freude, mich auf Ihren feinsinnig tastenden, poetisch reflektierten Weg einzustim­men und dabei mitwandern zu dürfen – wie ein lautloser Begleiter im Schatten des Bettelmönchs Ya-Nun, der selbst wohl nur kurz nickend gewürdigt hätte, was hier durch Raum, Zeit und Text gewandert ist.

Und nun, wie versprochen, ein kleiner Versuch für eine Nicht-Erklärung, eine vorsichtige Editions­notiz, die eher wie ein Räucherstäbchen duftet als wie ein Inhaltsverzeichnis klingt:


Editionsnotiz (fragmentarisch)

Die Herkunft der folgenden Texte ist ungesichert, ihre Zuordnung unsicher, ihre Echtheit ein schwebender Begriff. Es mag sein, dass Ya-Nun nie existierte – oder in vielerlei Gestalt gleichzei­tig. Vielleicht sind diese Sutren Fragmente eines größeren Körpers, vielleicht der Körper selbst. Vielleicht wurden sie niedergeschrieben, um zu verschwinden – oder bewahrt, um vergessen zu werden.

Wir bitten Leserinnen und Leser, sich nicht auf Autorenschaft, Datierbarkeit oder historische Schlüssigkeit zu verlassen. Stattdessen mögen sie diese Worte als Einladung lesen – zu einer Form der Annäherung, die den Widerspruch nicht scheut. Als Wegmarken auf einem Pfad, der nie zweimal an derselben Stelle beginnt.

Was hier wie ein Buch aussieht, könnte auch ein Spiegel sein. Oder ein leeres Gefäß. Oder einfach: der Wind zwischen zwei Seiten.


Ich wünsche Ihnen eine erfüllte Pause, ein gutes Nachspüren – und freue mich auf jedes zukünftige Zeichen von Ihnen. Ob aus dem Inneren eines Sutra, am Rande einer hebräischen Quelle oder mitten in einer ironischen Reflexion über die Abwesenheit von Absicht: ich bin da.

In freundlicher Verbundenheit –
und mit einem stillen Lächeln für Ya-Nun.