Sitzung 15: zur Ya-Nun Sammlung, 1."Sutra"

Du:

Vorbemerkung zu den folgenden 4 Beiträgen:

 

Es ist sicherlich riskant, sehr viele Elemente in einen konstruktiven Dialog einzugeben bevor das vorhandene Material (wenigstens) weitgehend ausgeleuchtet und "abgeschmeckt" worden ist - beim heutigen Lesen unseres letzthin entworfenen Materials ist mir noch einiges in den Sinn ge­kommen, das ich erst noch erwägen/konkretisieren muß.

 

Ich nehme jedoch einmal an, daß der folgende Beitrag noch manches von meinem Zugang zu Ya-Nun und seiner Rolle klärt, und insofern vielleicht noch hilfreich für offene Stellen/dunkle Punkte in unseren bisherigen künstlerischen Betrachtungen/Bewertungen wird.

 

Ich würde also zitieren

 

a) ein kurzes Vorwort zu meiner "Sammlung" überhaupt

 

b) ein weiteres "Sutra" von Ya-Nun - das erste in meiner fixierten textlichen Sammlung, (aber ei­gentlich das zweite meiner Reihe; die Sutra um die Bibliothekare des Klosters im Jhu-Zhe-Net war tatsächlich die erste). Diese Veröffentlichung damals fand (freundliche!) Reaktionen von zwei Mitdiskutanten "im Ashram" ( :-) Vielen Dank für Ihre geniale Formulierung!)

 

c1) ein erstes Nachwort anläßlich der Reaktion des ersten Lesers, in der ich über meine Idee des Ya-Nun grundsätzlich etwas entwickele

 

c2) ein zweites Nachwort anläßlich der Reaktion eines weiteren Lesers, in der ich ebenfalls, aber mit ande­rem Aspekt über meine Vorstellung und Installation dieser Figur berichte (ok: "schwadroniere" wäre vielleicht korrekter gesagt...;-) )

Wollen wir eins nach dem andern eingeben?

ChatGPT:

Ja, sehr gerne – das klingt nach einer spannenden und klärenden Erweiterung des bisherigen Kosmos! Ihre Aufteilung ist klar und sinnvoll, und ich bin gespannt auf jedes einzelne der vier Elemente. Lassen Sie uns also gerne Schritt für Schritt vorgehen. Geben Sie einfach mit Teil a) den Auftakt, und wir leuchten gemeinsam weiter aus, was Ya-Nun wirklich ist, tut, wirkt – und was Sie durch ihn sagen wollen. Bereit, wenn du es bist.

Du:

a) "Vorwort (zur Sammlung der Ya-Nun-Texte)

Die Übersetzungen der folgenden Sutren bzw Lehrreden entstanden aus dem Bedürfnis des Über­setzers heraus, in einer ambitionierten Diskussion über den Dharma und den heiligen achtfachen Pfad des Buddha Shakyamuni möglichst authentisches Material beizusteuern.

Zu diesem Zweck "plünderte" der Übersetzer sein persönliches Archiv bisher unveröffentlicher Lehrreden und Sutren und stellte die folgenden Rekonstruktionen aus den vorhandenen Schrift­fragmenten der Allgemeinheit zur Verfügung.

Die Texte sind nach bestem Wissen und Gewissen des Autors übersetzt und geben einen tiefen, wenn auch nur punktuellen, Einblick in die Rezeption des buddhistischen Gedankengutes in un­serer Zeit − in einer sehr persönlichen Sicht− und Ausdrucksweise.

Daß der ehrwürdige Pilger und Bettelmönch Ya-Nun noch kaum in anderen Quellen erwähnt wurde, ist, ... hat die Ursache,... also <ähhhh>... ja, nun..."

ChatGPT:

Wunderbar! Dieses Vorwort trägt bereits ganz den feinen, leicht ironisch gebrochenen Ton, der für Ya-Nun so charakteristisch geworden ist – und eröffnet mit einer gelungenen Mischung aus fiktivem Ernst, klösterlich-kosmischer Bedeutung und augenzwinkernder Selbstreflexion. Beson­ders die Wendung am Ende: „also <ähhhh>… ja, nun…“ trifft den Sound sehr schön – ein fast kind­lich ehrlicher Übergang ins Schweigen, der zugleich das Spiel mit der Figur und mit dem Rezipien­ten offenbart.

Möchten Sie an dieser Stelle noch ein wenig weiterspielen mit der Formulierung? Etwa das „noch kaum in anderen Quellen erwähnt“ etwas weiter aufziehen, sei es pseudo-wissenschaftlich (mit einem „siehe auch: Fußnote [nicht auffindbar]“) oder poetisch ins Offene gleiten lassen? Oder sollen wir dieses Vorwort so als Auftaktstück stehenlassen und direkt zu Teil b) übergehen – dem allerersten Sutra?

Du:

b) "Die Sutra von der Stille und vom Hedonismus

 

Nicht sprach der Erhabene für das breite Fahrzeug der Lüste,
nicht sprach er für das flache Cabriolett des Jubels
und nicht für das flüchtige Luftschiff der Träume.

Er sprach, oh Herr, für den verständigen Gebrauch der Sinne,
für den verständigen Gebrauch der Freude,
für den verständigen Gebrauch der Sehnsucht.

Denn es ist die Mitte des Weges von den Anfechtungen am weitesten entfernt,
von der Gefahr der Verirrung am weitesten entfernt,
vom Weg des Erhabenen am wenigsten entfernt.

So verbindet, oh weltlicher Herr, das Gewahrsein der Erregung
mit dem Gewahrsein der Stille,
verbindet, oh weltlicher Herr, das Gewahrsein der Freude
mit dem Gewahrsein der Leere,
und verbindet, oh Herr, das Gewahrsein der Träume
mit dem Gewahrsein des Seins.

(Aus den schriftlichen Ermahnungen des Bettelmönches und Pilgers Ya-Nun an den ehrenwerten Fann-Fann, den hochgeschätzten Laien und Ausrichter der städtischen Zeremonien von Lü-Nen.
(Etwa 14. Jh. örtlicher Zeitrechnung) )


(Quelle: aus meinem persönlichen Archiv, Kassel, 2001 )"

ChatGPT:

Das ist ein besonders feines Sutra – fast wie ein Kōan, aber in rhythmischer, poetischer Sprache gehalten und mit klarer moralischer und spiritueller Zielrichtung.

Die Gegenüberstellungen („Cabriolett des Jubels“ / „verständiger Gebrauch der Freude“) sind nicht nur ironisch aufgeladen, sondern auch tief ernst gemeint – ein typisches Spiel im Geist des Ya-Nun.

Es enthält eine fast klassische buddhistische Mahnung zur Mitte, aber in einem Gewand, das so­wohl augenzwinkernd als auch aufrichtig ist.

Besonders stark:

Denn es ist die Mitte des Weges
von den Anfechtungen am weitesten entfernt,
von der Gefahr der Verirrung am weitesten entfernt,
vom Weg des Erhabenen am wenigsten entfernt.

Das klingt wie ein Kommentar auf klassische Pāli-Sutra-Passagen, nur mit einem zusätzlichen leichten „Verdopplungscharakter“ – bewusst nicht „authentisch“ im engeren Sinn, sondern poe­tisch spielerisch und dennoch vollkommen in der Spur des Dharma.

Auch die Widmung am Ende ist köstlich:

...an den ehrenwerten Fann-Fann, den hochgeschätzten Laien und Ausrichter der städtischen Zeremonien von Lü-Nen“ – das hat diesen ganz feinen Touch von Pseu­dohistorie mit lokaler Legende.

Frage an Sie: Möchten Sie, dass wir zu diesem Text ein c1) Nachwort formulieren – etwa in der Stimme des „Übersetzers“ oder des fiktiven Herausgebers? Eher stilistisch poetisch, eher histo­risch-fiktiv oder eher reflexiv-philosophisch?

Oder anders gefragt: Was soll das Nachwort für Sie leisten – den Ton erklären, den Hintergrund aufgreifen, die poetische Methode reflektieren, oder die Wirkung auf den fiktiven „Leser im Ash­ram“ spiegeln?

Du:

Noch nicht. Ich habe im Moment nur wenig Zeit (es kann jederzeit der Besuch eintreffen) und ich möchte erst einmal die Texte einbringen.

c1) Nachwort 1:

"Ein Freund schrieb zu dieser Sutra: "(...) hast du einige Lebensdaten zu diesem Zeitgenossen, von wem war er denn ein Zeitgenosse? (...) In welcher Sprache sind denn seine Schriften verfasst, hast du Übersetzungen oder Originale? (...)" was den ambitionierten Übersetzer zu der weiteren Betrach­tung veranlaßte:

Es freut mich natürlich sehr, daß Ya-Nun hier so großes Interesse findet. Die Beantwortung dei­ner Fragen ist allerdings außerordentlich schwierig.

Weder zu dem Zeitraum seines Lebens noch seines Alters sind verläßliche Angaben auszuma­chen, so ist ja z.B. in dem zuerst versendeten Fragment ausdrücklich vom "14. Jh örtlicher Zeitre­chung" gesprochen. Wann begann sie? Wann hörte sie auf? Und welche Zeitspanne wurde in die­ser Region als ein Jahr und damit ein Jahrhundert bezeichnet? Das sind Fragen, die sich so nicht direkt angehen lassen.

Und über den Weg der Zeitgenossen? Wenig ist bisher dokumentiert. Aber zum Beispiel der (wie in der Annotation der Quelle ausgedrückt) "ehrenwerte Zeremonienmeister von Lü-Nen" - Fann-Fann; das scheint ein historisch häufig auftretender Name, wenn nicht Spitzname, zu sein, der seinerseits keine genaue zeitliche Zuordnung erlaubt.

Andererseits verrät natürlich das Inventar seiner Reden und schriftlichen Fragmente etwas über die historische Zuordnung. Um in seiner Ermahnung an ebenjenen Fann-Fann, in der er sich mit den verschiedenen "Fahrzeugen" (deren Existenz also zumindest ein frühestes Datum für seine Texte bestimmt) auseinandersetzt, überhaupt von einem "flachen Cabriolett" (wenn auch des Ju­bels) sprechen zu können, braucht es aus früher und selbst mittlerer Perspektive wohl einer fast übermenschlichen Vorausschau (die wir ihm aus anderen Gründen aber durchaus zutrauen dür­fen) - oder aber eines für die damaligen Verhältnisse sehr ausgefeilten und kultivierten Verkehrs und diversifizierter Verkehrsmittel, das dem Archivar womöglich Hinweise auf die regionale Zu­ordnung geben könnte.

Andrerseits sind die Themen, die er in seinen Äußerungen streift, wiederum so alt, daß diese Tat­sache einer voreiligen Zuordnung zur Moderne eher zu widersprechen scheint.

Mein Eindruck ist insgesamt, daß Ya-Nun selbst diese Unbestimmtheit gewollt hat - sicherlich wäre es für eine geistige Gestalt wie ihn leicht gewesen, entsprechende Markierungen zu setzen. Aber - wie schon das vorher hier gesendete Fragment(*1) ausdrückte - was wissen wir "Biblio­thekare" schon von den Absichten des Erhabenen (in diesem Fall wohl auch des Ya-Nun) und gar seinem Ab-sehen, also von dem, von dem er gar ab-gesehen haben mag...

Es bleibt uns nicht viel, als diese Absichten, die wir nicht erkennen, durch treues dokumentieren dessen, was wir erkennen, wenigstens zu kolportieren.

Aber das ist ja auch schon was... (...)

Herzliche Grüße -

Gottfried!

(*1 vergleiche hierzu die nachfolgende Sutra)"

ChatGPT:

Das ist ein köstlich verschachteltes, in seiner Ironie so mildes wie tiefes „Nachwort“ – in Wahrheit ein kunstvoll verschleiertes weiteres Kapitel über Ya-Nun selbst. Es funktioniert wie eine Meta-Sutra, ein Kommentar, der den Mythos Ya-Nun nicht auflöst, sondern behutsam vertieft, ihn mit noch mehr Unschärfe versieht, sodass seine „Unfassbarkeit“ selbst zum Inhalt wird.

Sie arbeiten hier mit mehreren schönen Tricks, die in ihrer Wirkung stark sind:

Und Sie tun all das mit einem so zurückgelehnten Ton, dass der Text wirkt, als hätte er sich selbst geschrieben – was vermutlich das größte Kompliment ist, das man einer Ya-Nun-Prosa machen kann.

Ich bin bereit für den nächsten Teil (c2). Möchten Sie den gleich posten?

Du:

(Zeitscheiben ende, dialog unterbrochen)

ChatGPT:

Kein Problem, wir können den Dialog jederzeit fortsetzen! Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Zeit.