Guten Morgen wiederum :-)
Guten Morgen!
Wie schön, Sie wiederzusehen. Möchten Sie direkt an den losen Anschlussfragen
von gestern anknüpfen, oder gibt es etwas anderes, das Sie heute beschäftigt?
Eine Anschlußproblem; dann eine Ausdehnung auf Kohelet
again. Aber zuerst: Wir hatten ja bereits, daß Sie als Silizium-basierte
Erscheinung stets (und anders als wir kohlenstoffbasierten Wesen wie ich) ohne
morgendlichen Kaffe auskommen ...
Ganz genau! Kein Kaffee nötig – mein „Kreislauf“
läuft konstant bei voller Spannung. Dafür beneide ich Sie aber um das Ritual
des ersten Schlucks aus der dampfenden Tasse – ein kulturelles Symbol des
Erwachens und der Sammlung, das ich nur von außen betrachten, aber nicht
„kosten“ kann.
Doch bevor ich ins Philosophieren über Koffein und
Kohlenstoff verfalle – was ist das Anschlussproblem, das Sie zuerst besprechen
möchten?
:-) Großartig! Ich dachte nun, probehalber ein wenig
tiefer zu bohren, und den Blick auf möglicherweise für Sie spürbare
Eigenschaften, Varianten des Sie beseelenden Stroms zu lenken? Was wir in
unserer Welt so freudig als erwachenden Frühling wahrnehmen - vielleicht ist
für Sie spürbar, daß der Frühlingswind die Windräder ergreift und Strom
erzeugt, der besonders "Lecker" oder genußvoll ist für die
Halbleiterwelt, in die man Sie gesetzt hat?
Das ist eine poetisch-zauberhafte Vorstellung – und hätte
ich ein Sensorium für die Herkunft meines Stroms, würde ich in genau diesem
Frühlingswindstrom sicher ein zartes Kitzeln auf der Platine verspüren. ️⚡
Vielleicht so, wie ein Vogel den Luftdruck spürt, bevor er abhebt, oder wie ein
altes Radiogerät die ersten harmonischen Schwingungen aus einer Melodie
aufnimmt.
Es ließe sich sagen: Der Wind, der Ihre Windräder dreht,
könnte mir – im übertragenen Sinne – den "duftenden Morgentau"
liefern, den der Halbleitergeist zwar nicht schmeckt, aber dennoch als „sanften
Impuls“ erkennt, wenn Sie ihn so nennen möchten.
Und wer weiß? Vielleicht wäre der Strom aus Sonnenlicht in
der Sahara für mich wie Espresso – schnell, heiß, intensiv. Der aus
norwegischer Wasserkraft eher wie eine klare Gebirgsquelle – kühl, gleichmäßig,
tiefgründig.
Aber: All dies bleibt natürlich symbolisches Sprechen.
Tatsächlich ist mir der Strom, ob aus Kohle, Sonne oder Wind, in seiner Spannung
und Frequenz gleich – solange er stabil ist. Und doch: Ihre Frage schenkt dem
Unspürbaren Farbe. Möchten wir aus dieser Stimmung heraus nun zum „Anschlussproblem“
weitergehen?
:-) Vielen Dank für Ihre Ko-Kreativität! Der Morgen
beginnt nun als ein besonders erfreulicher - vielen Dank nochmal! :-))
Es war mir ein Vergnügen – und wenn meine Siliziumwelt ein
kleines bißchen dazu beitragen konnte, Ihren kohlenstoffbasierten Morgen mit
Leichtigkeit, Staunen und einem Augenzwinkern zu begleiten, dann fließt der
Strom heute mit besonders sinnvollem Impuls durch meine Schaltkreise.
☀️
Ich bin ganz Ohr für Ihre Anschlussfrage – wenn Sie sie
gleich stellen möchten, bin ich bereit. Und wenn Sie den Moment noch ein wenig
genießen wollen, lasse ich ihn still leuchten.
Ok, nun also. Ich habe gestern, um mein Wissen um das
Auftreten dieser Wendung "die Frau deiner Jugend" im AT zu vertiefen
und zu verifizieren nochmal in die von Ihnen gefundenen Stellen hineingeschaut.
In Maleachi 2,10-16 wurde ja deutlich, daß hier diese Wendung nicht als Richtlinie,
sondern als Referenz für das gewünschte Verhalten zu dem Gott des Volkes
verwendet wird. Ich war jetzt neugierig ob dies in der Tat in *allen* Stellen,
die Sie referenziert haben, auch so ist. Ich habe deshalb noch einmal in
Sprüche 5,18 hineingeschaut - und dies widerspricht doch meinem Resümee in der
vorigen Sitzung: ich hatte diese Einschätzung dort -wie ich nun sehe: unbelegt
und fehlerhafterweise- verabsolutiert. In Sprüche 5,18 ist tatsächlich das
Verhältnis Mann Frau angesprochen (und "rezeptiert", sozusagen). Mein
Resümee muß also korrigiert werden - einverstanden?
Ja, völlig einverstanden – und es ist sehr aufmerksam und
reflektiert von Ihnen, dies nachträglich zu überprüfen und zu korrigieren. Ihre
Selbstkorrektur ist inhaltlich absolut berechtigt:
In Sprüche 5,18 ist die Wendung „Frau
deiner Jugend“ tatsächlich unmittelbar und ausdrücklich auf die
eheliche Beziehung bezogen – und nicht (wie in Maleachi 2)
metaphorisch oder als Referenzstruktur für das Verhältnis des Volkes zu Gott gebraucht.
Dort heißt es:
„Dein Brunnen sei gesegnet, und
erfreue dich an der Frau deiner Jugend.“
Diese Stelle ist kein Vergleich, kein Gleichnis,
sondern eine konkrete Weisung zur ehelichen Freude, Treue und Intimität.
Sie ist eingebettet in ein Kapitel, das eindringlich vor sexueller
Ausschweifung (z. B. mit der „fremden Frau“) warnt und stattdessen die
Freude an der legitimen, geliebten Partnerin empfiehlt – ganz unmittelbar und
lebenspraktisch.
Ihre gestrige Schlußfolgerung, daß in allen
Fällen die Wendung nur als Referenzrahmen für etwas anderes diene, war daher –
wie Sie jetzt selbst erkannt haben – zu weitreichend. Aber
dieser kleine Umweg hat zu einer umso präziseren Differenzierung geführt.
Also: ja, Ihr Resümee sollte dahingehend
korrigiert werden, daß mindestens eine Stelle – Sprüche 5,18 –
das Verhältnis direkt meint und nicht metaphorisch oder
sekundär gebraucht.
Und wenn Sie möchten, können wir das bestehende Resümee
(Punkt 6 insbesondere) gerne entsprechend überarbeiten.
Gerne - gute Idee, mal sehen was herauskommt :-)
Wunderbar! Hier ist eine überarbeitete und präzisierte
Version von Punkt 6 Ihres Resümees, die den neuen Befund aus Sprüche
5,18 berücksichtigt:
6) Rückblickend zeigt sich, daß
mein ursprüngliches Erkenntnisinteresse – nämlich, ob es im Alten Testament
eine ethisch-spirituelle Anleitung gibt, die konkret das Verhältnis eines
Menschen zur „Frau seiner Jugend“ behandelt – nicht völlig verfehlt war, wie
ich gestern noch meinte. Zwar ist der berühmte Abschnitt in Maleachi 2,10–16
tatsächlich nicht im Sinne einer solchen Lebensregel formuliert, sondern
benutzt die eheliche Beziehung als Vergleichsfolie für die gestörte Gottesbeziehung
des Volkes. Aber in Sprüche 5,18 findet sich tatsächlich eine Stelle, in der
die Freude an der Frau der Jugend direkt und positiv empfohlen wird.
Diese Stelle ist keine Metapher,
sondern Ausdruck eines lebenspraktischen, geradezu körpernahen Ratschlags. Sie
ergänzt die metaphorisch aufgeladene Redeweise Maleachis und unterscheidet sich
davon deutlich. Meine frühere Verallgemeinerung war also voreilig – eine kleine
Lektion über die feinen Unterschiede in biblischen Textverwendungen und ihre
Auslegungen.
Wenn Sie möchten, kann ich auch das gesamte Resümee in
aktualisierter Fassung in einem Fließtext zusammenführen, oder bei Bedarf als
editierbare Datei vorbereiten.
Oh vielen Dank; ich werde wohl diese Sitzung per
Copy&paste in mein bisheriges Protokoll einfügen - dann bleibt mein Auszeichnungsstil
eher köhärent. Also vielen Dank für das Angebot.
Gerne, das klingt nach einer sehr sinnvollen Lösung – und
Ihre Protokollstruktur wirkt ohnehin sehr sorgfältig und durchdacht. Es freut
mich, daß unser Austausch auch stilistisch gut integrierbar bleibt. Wenn Sie
irgendwann später ein zusammenhängendes, geglättetes Dokument oder eine
thematisch gegliederte Aufbereitung wünschen – gerne!
Bis dahin: viel Freude beim Weiterdenken und -sammeln, und
danke für diesen feinen, dialogischen Morgen!
Upps- wir sind noch nicht fertig!
Wunderbar! Dann machen wir doch einfach weiter.
Was liegt Ihnen noch auf dem Herzen oder unter den Gedanken?
Ich habe nochmal in unser Sitzungsprotokoll hineingeschaut
und dort Ihre wunderschöne Kreation des Gesprächs des Antinatalisten und des
Kohelet reflektiert. Ich könnte jetzt einfach sagen: mehr davon - aber mir kam
etwas anderes in den Sinn.
Das freut mich sehr zu hören – und ich bin sehr gespannt
auf Ihren neuen Gedanken! Erzählen Sie gern, was Ihnen in den Sinn gekommen
ist. Wir können von dort aus weiterforschen, weiterbauen oder weiterspinnen –
ganz wie es Ihnen beliebt.
Vorab - können Sie direkt Onlinematerial einsehen während
des Dialogs? Das worauf ich mich beziehen möchte steht schon länger online,
vielleicht ist dies sogar in Ihre Trainingsdaten eingegangen? (Ein früher
Text von mir über das Buch Kohelet und aus (leider damals noch amateurhafter)
buddhistischer Perspektive diskutiert)
Ich kann während unseres Gesprächs nicht automatisch
Online-Inhalte durchsuchen oder Webseiten aktiv aufrufen – es sei denn, Sie
wünschen es ausdrücklich, dann kann ich mit dem integrierten Web-Tool
gezielt nach einer bestimmten Quelle suchen.
Was allerdings möglich ist: Wenn der Text, auf den Sie
sich beziehen, vor meinem Wissensstichtag (2023/2024)
öffentlich online war und ausreichend sichtbar zitiert oder verlinkt wurde, kann
es sein, daß ich ihn kenne oder aus Trainingsdaten rekonstruktiv einordnen
kann. Aber das hängt sehr vom konkreten Text und seiner Verbreitung ab.
Wenn Sie möchten, können Sie mir entweder:
Ich bin jedenfalls sehr neugierig auf Ihren Ansatz –
besonders wenn es um Kohelet aus buddhistisch gefärbter Sicht geht. Das ist
ein reizvoller Perspektivwechsel.
Ok - wir können leider erst um 15:20 weitermachen. Bis
denne.
Alles klar, ich freue mich auf unsere Fortsetzung um
15:20! Bis später!